Mellenbach wurde als Melnbach 1315 erstmals urkundlich erwähnt, wobei die Ortsbezeichnugen im Laufe der Jahrhunderte des öfteren eine Veränderung erfuhr. So findet man in alten Dokumenten auch die Ortsbezeichnungen Melinbach (1436), Melinbach und Melmbach (1469), Mellebach (1496).
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| Mellenbach | und Blumenau um 1930 |
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| Obstfelderschmiede und Glasbach | Obstfelderschmiede |
Die Entstehung des Ortes Mellenbach ist aufs engste mit den großen Rodungen (Flurbezeichnungen wie “Hohes Rod” oder “Im Rödigen” deuten noch darauf hin) im 12. und 13. Jahrhundert verbunden. Das zahlenmäßige Anwachsen der Bevölkerung und die daraus resultierende Notwendigkeit, neue Arbeits- und Ernährungsquellen zu erschließen, trieb die Entwicklung der Land- und Holzwirtschaft sowie die Entstehung neuer Siedlungsorte auch in unserer Gegend rasch voran.
Durch den Übergang zur Ware - Geld - Wirtschaft wurde die Gewinnung von Edelmetallen und Erzen für die Landesherren immer bedeutungsvoller. Die Berge links und rechts der Schwarza verfügten über entsprechende geologische Voraussetzungen (wovon Bezeichnungen wie z.B. “Güldene Kirche”, “Goldisthal” noch heute zeugen).
In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen etliche Barfüßermönche (Franziskaner- aus dem Orden des Franz von Asissi) in unser Gebiet und ließen sich hier nieder. Johann der Zweite Graf und Herr von Schwarzburg, überließ ihnen 1383 auf ihr Gesuch hin das Gebiet Mellenbach, wo sie in der Folge das Katharinenkloster begründeten. Damit verbunden war die Übergabe aller Rechte und Freiheiten, d.h. Jagd, Fischerei, Malzen und Brauen, Zinsen und Gefälle (lokale Abgaben oder Zölle), Gerichten, Beten und Fronen, Wonnen (Wiesen) und Weiden, unter der Bedingung, ihren Schutzherrn stets aus dem Hause Schwarzburg zu wählen und die Dorfbewohner Heeresfolge leisten zu lassen.
Da die Franziskaner als Bettelmönche nach ihrer Ordensregel kein Eigentum besitzen durften, überschrieben sie das “gräfliche Geschenk” zum Schein dem Kloster zu Stadtilm, von dem sie fortan ihre Einkünfte bezogen, die ihnen wiederum ein sorgloses Leben gewährleisteten. Wegen des Brauens jedoch kam es zwischen dem Kloster und den Königseer Bürgern (die für das Kloster zu Stadtilm das Bier brauten) öfter zum Streit.
Größeren Ruf als das Bier hatte der Klosterbrunnen(”Katharinenbrunnen”), der am oberen Rande des Dorfplatzes stand und dessen Wasser bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges von den zu Johanni nach Vierzehnheiligen ziehenden und die alte Wallfahrtsstraße stets einhaltenden Katholiken des Eichfeldes getrunken wurde.
Im Laufe der Zeit schwand die Bedeutung des Klosters mehr und mehr. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren hier nur noch zwei Mönche ansässig, deren Sitten jedoch so verroht waren, dass sich Graf Günther im Jahre 1514 beim Kardinal über deren “wüstes” und “sittenloses Leben” beschwerte und ihre Versetzung beantragte.
Die beginnende Reformation und die frühbürgerliche Entwicklung führten ab Ende des 15. Jahrhunderts zu einem enormen Aufschwung des wirtschaftlichen und politischen Lebens. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Orte Glasbach, Zirkel und Blumenau.
Die zunehmende Nutzung der Wasserkraft führte zur Einrichtung vieler Hammer- und Schneidemühlen entlang der Schwarza, die Verarbeitung von Holz, Kupfer und Eisen wurde zu einem der wichtigsten Erwerbszweige, die Holzverarbeitung blieb es bis in die jüngste Vergangenheit.
Die Entwicklung des Handels und die Nutzung der großen Handelsstraßen quer und längs durch Europa förderten die wirtschaftliche Entwicklung und das zusammenwachsen der Menschen jener Zeit. Mellenbach lag im unmittelbaren Umfeld derselben, und so erfuhren die Bewohner auch von den Veränderungen und Denkweisen in anderen Teilen des Landes und darüber hinaus. Das Verhalten der “Melinbacher” Bürger , die in der Zeit des Bauernkrieges 1525/26 die Forderungen der aufständischen Bauern nach Abschaffung der Frondienste und der hohen Abgaben an den Adel unterstützten, unterstreicht das. Wenngleich der Bauernkrieg noch mit einer Niederlage endete, setzte er doch Zeichen für den Beginn einer neuen Epoche.
Die allerdings wurde im 17. Jahrhundert durch ein furchtbares Ereignis unterbrochen, das auch für unseren Ort verheerende Folgen hatte -den Dreißigjährigen Krieg 1618-1648.
1640 brannten schwedische Soldaten den Ort nieder. Von Saalfeld kommend setzten sie viele Dörfer der Umgebung in Brand und zündeten nun auch Mellenbach an. Die Einwohner hatten noch versucht, einen kleinen Trupp plündernder Schweden aufzuhalten, indem sie diese vor dem Dorfe mit Kugeln empfangen und einen getötet hatten. Daraufhin kam am nächsten Tag ein ganzer Haufen Schweden, um ihre Kameraden zu rächen, plünderten alles aus und raubten alles, was sie mitnehmen konnten. Danach zündeten sie die Mühle an und steckten damit den von der Bevölkerung verlassenen Ort in Brand. Da die meisten Häuser aus Holz errichtet waren und Holzschindeln oder Stroh das Dachmaterial darstellte, wurde mit Ausnahme dreier Häuser unser gesamter Ort ein Opfer der Flammen, einschließlich des Klosters, in dem der Pfarrer wohnte und in dem auch alle schriftlichen Überlieferungen aus der Geschichte des Dorfes gelagert waren, und der Kirche. Damit sind auch alle Nachrichten über die Vorzeit und über die Einführung der Reformation, durch die die evangelische Glaubenslehre in Mellenbach und Umgebung Einzug hielt, für immer verloren gegangen. Nicht weniger schlimm wütete die Pest, die bereits im Vorfeld des Krieges fast ein Drittel der Menschen des Ortes hinweg gerafft hatte.
Noch im gleichen Jahr wurde der Bau einer neuen Kirche, Pfarrei und Schule begonnen.
Die Sage lässt ihn unheimlich reich sein und ein Fass voller Goldstücke zur Verwahrung auf die Coburger Veste geben, um die er jedoch betrogen worden sein soll. Als er nämlich das Fass zurück erhalten hat, sollen darin nur noch Steine gewesen sein.
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Grabplatte von Mathias Sommer an der äußeren Nordseite der heutigen Kirche |
Bis in die 50er Jahre erinnerte ein Aussichtspunkt, der Mathias Sommer-Stein nahe Zirkel an den großen Gönner unseres Ortes |
Neben Mathias Sommer sorgte ein weitere Mellenbacher Bürger dafür, dass der Ort Mellenbach über die Grenzen hinaus bekannt wurde: Georg Andreas Sorge. Am 21. März 1703 in Mellenbach geboren, verbrachte Sorge seine Kindheit in unseren Ort. Von 1714 bis 1716 erhielt er dann Musikunterricht beim Gräflich-Brockdorfschen Hoforganisten Kaspar Tischer zu Schney (Oberfranken). Dem schloss sich von 1716 bis 1721 ein Musikstudium an, bei dem er herausragende musikalische Kenntnisse vorweist. So kann er 1721 die Stelle eines Gräflich Reuß-Plauischen Hoforganisten in Lobenstein antreten, die er bis zu seinem Tode am 04. April 1778 innehielt. Georg Andreas Sorge war nicht nur ein Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach, sondern auch selbst Komponist und ein bedeutender Musiktheoretiker jener Zeit.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich im Zuge der industriellen Revolution allmählich auch im Schwarzatal die kapitalistische Produktionsweise durch, neben den Hammerwerken und Sägemühlen entwickelten sich vor allem Handwerk und Gewerbe weiter. Um 1860 waren von den 847 Mellenbacher Einwohnern (196 Familien) 109 Handwerker (42 Weber, 7 Schneidermeister, 5 Tischlermeister, 8 Maler, 6 Kaufleute, von denen 2 Großhandel mit Schachteln und Schiefertafeln betrieben, 2 Laboranten, 8 Medizinhändler) und ca. 110 Tagelöhner. Solange die Glasperlen Absatz fanden, fertigten 5 Einwohner dergleichen. Das am stärksten besetzte und für den Ort bezeichnende Gewerbe ist das unzünftige Gewerbe der Kisten- und Schachtelmacher, von denen es ca. 65 gab. Dennoch blieb das Leben in den Walddörfern armselig und hart. Oft arbeitete die ganze Familie einschließlich der Kinder mehr als 12 Stunden am Tag.
Neben der Arbeit wurde noch Landwirtschaft betrieben, doch blieb der Ackerbau bei allen nur Nebengeschäft, vor allem um die Familien satt zu bekommen. Trotzdem wurde 1868 vor allem aus gespendeten Mitteln der Ortsbürger die heute noch erhaltene Kirche erbaut, nachdem die alte abgebrannt war.
Um diese Zeit entstanden Betriebe, die vor allem Holz verarbeiteten, Kisten produzierten und damit Zulieferer für die sich schnell entwickelten Glas- und Porzellanmanufakturen in der Umgebung des Ortes wurden. Mit ihnen nahm auch die Zahl der darin Beschäftigten rasch zu.
Am Beispiel der Fa. Krannich lässt sich diese Entwicklung exemplarisch nachvollziehen. 1835 wurde sie von Johann Michael Krannich als handwerklicher Gewerbebetrieb gegründet. Hergestellt wurden vorwiegend Gebrauchsgüter aus Holz (Holzetiketten, Blumenstäbe, Vogel- und Futterhäuschen etc.). Die Arbeiter verrichteten anfangs nur Heimarbeit. Bis etwa 1865 gehörten auch die Sägewerke in Obstfelderschmiede, in der “Roten Mühle” und die “Blaue Mühle” nahe Schwarzmühle zur Fa. Krannich. Um 1865 wurden ein neues Betriebsgelände erschlossen und eine neue Produktionsstätte erbaut. Die Sägewerke wurden verkauft und die Produktion umgestellt.
1867 wurde die erste Dampfmaschine, die es im gesamten Schwarzatals damals gab, in diesem Unternehmen in Betrieb genommen. Dazu gehörende Turbinenanlagen dienten der Nutzung der Wasserkraft. Es wurde mit der serienmäßigen Produktion an den damals modernsten Holzmaschinen begonnen. Hergestellt wurden Holzhülsen für Muster- und Probeflaschen, Reagenzglasgestelle, Versandkästen mit Schiebedeckel für die Post, Obsthorden, Obstlagergestelle, ab 1895 auch Bienenbeuten und Imkereigeräte. Die Produkte waren sehr gefragt und die Qualität von gutem Ruf. 1900 zählte die Belegschaft bereits 125 Personen.
Nach der Jahrhundertwende änderte sich das Produktionsprofil des Unternehmens weitesgehend. Jetzt wurden vor allem Geschäftseinrichtungen und Spezialschränke hergestellt, die über Jahrzehnte auch überregional sehr gefragt waren. Mit der Wende 1989 stellte die Firma aus verschiedenen Gründen, vor allem auch wegen der veränderten Besitzerverhältnisse ihre Produktion ein.
Um 1900 indessen entstanden weitere Unternehmen, die die industrielle Entwicklung unseres Ortes förderten, so z.B. die Firma Oskar Heinze jun. (1900), die Rudolf Schierer KG, die Fa. Bornkessel-Brenner und Glasmaschinen GmbH, Stern Glas Mellenbach, das Thermometerfabrik Staschen, die Sargfabrik in der Schottleite und andere. Das am Steinberg lagernde Granitvorkommen diente vor allem zum Straßenbau, der am Kirchberg vorhandene Grünstein wurde ab 1911 industriemäßig abgebaut, nachdem er vorher eher als “malerisches Felsgehäuse” bewundert worden war. Durch diese Entwicklung im Ort wuchs auch die Zahl der Industriearbeiter rasch an und mit ihr der Wille der Menschen, sich zu bilden und gesellschaftlich zu organisieren.
Das Profil bereits bestehender Produktionsbetriebe wurde umgestellt und an die Erfordernisse der Zeit angepasst. So wurde jetzt in Bereichen, wie Elektrotechnik/Elektronik, in der Textilbranche oder in der Glasherstellung und -verarbeitung produziert. Diese Entwicklung setzte sich auch während des 2. Weltkrieges und in den Jahren der Existenz der DDR fort.
Bis zur Wende im Jahre 1989 war Mellenbach ein für die damaligen Verhältnisse hoch entwickelter Industriestandort, der mit dem VEB Messtechnik Mellenbach, dem Glaswerk, einem Herrenbekleidungswerk, dem Apotheken- und Laborbau Heinze jun., dem Holzwerk und der Thermometerfabrik über einen relativ großen Industrieanteil verfügte. Fast alle erwerbsfähigen Einwohner, darunter ca. 90 % der Frauen, waren bis 1990 berufstätig.
In diesen Jahren gab es zeitweise vier Konsum-Verkaufsstellen und 12 Gaststätten bzw. Ferienheime. Mehr als 3000 Urlauber verbrachten ihre Ferienaufenthalte jährlich in Mellenbach-Glasbach.
Im Ort gab es zwei Kindergärten und eine Kinderkrippe. In der zunächst 8-klassigen, ab 1964 10-klassigen Oberschule wurden ca. 200 Mellenbacher (zeitweise auch Unterweißbacher) Schüler unterrichtet. Viele von ihnen besuchten den Schulhort. Die Schule war ein wichtiges gesellschaftliches Zentrum unseres Ortes.
Viele Bürger engagierten sich in ihrer Freizeit in Kultur- und Sportgruppen, wie z.B. im Volkschor, in der Blaskapelle, im Zitherclub “Waldesklänge”, im Karnevalsverein oder in verschiedenen Sportsektionen. Lichtbildervorträge und Tanzveranstaltungen ergänzten das kulturelle Angebot.
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Die Feierlichkeiten zum 600. und 625. Jahrestag des Bestehens unseres Ortes demonstrierten sehr anschaulich die traditionsreiche und wechselvolle Geschichte Mellenbach-Glasbachs |
Nach der gesellschaftlichen Wende in den neunziger Jahren veränderten sich die Verhältnisse grundlegend. Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in vielen Branchen Krisen und Arbeitslosigkeit aus. Inzwischen haben sich einige Branchen wie der wissenschaftliche Gerätebau, die Mikroelektronik oder die Medizintechnik stabilisiert, jedoch überlebten auch in unserem Ort nur einige wenige Firmen, z.B. die MTM “ Power” GmbH und die Fa. Apotheken- und Laborbau O. Heinze jun.. Im Gegenzug gewannen kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe an Bedeutung, einige wurden neu gegründet und etablierten sich in der Region.
Die Eigenverantwortlichkeit der Kommunen stellt auch in Mellenbach-Glasbach vor neue Herausforderungen. Die kommunalen Aufgaben entwickeln sich durch die gesellschaftlichen und politischen Erwartungen an die öffentliche Verwaltung. Sinkende Einwohnerzahlen, zunehmende Alterung der Gesellschaft, gestiegene Erwartungen an kommunale Infrastruktur etc. führen zu ständig wachsenden Aufgaben wie auch Ausgaben der Kommunen.
Mellenbach-Glasbach gehört heute als die nach der Einwohnerzahl gemessen größte Kommune (1136 Einwohner) zur Verwaltungsgemeinschaft “Mittleres Schwarzatal”. Wichtige Infrastrukturbereiche wie Schule, Apotheke, Zahnarztpraxis, Sparkasse oder Volksbank, Tankstelle oder Einkaufszentren wurden geschlossen oder in andere Orte verlagert. Selbst bewährte kirchliche Strukturen wurden verändert.
Dennoch zeugen vielfältige unternehmerische Aktivitäten und vor allem auch das Engagement der Vereine, wie Karnevals-und Kirmesverein, Schwimmbadförderverein, Chor, Schützenverein, AWO, DRK, Feuerwehrverein oder Sportvereine, oder auch von Einzelpersonen vom ungebrochenen Willen der Menschen, die traditionsreiche Geschichte Mellenbachs zu bewahren und im positiven Sinne fortzufahren.
















































